Es ist Freitagnachmittag, 15:30 Uhr. Der Hiring Manager schreibt dir zum zweiten Mal in zwei Tagen: Die Stelle muss heute noch raus, vor dem Wochenende.
Du hast anderthalb Stunden. Eine alte Vorlage wäre schnell, aber du weisst, dass sie nicht funktioniert. Zu generisch, zu langweilig und zu wenig überzeugend.
Genau für diesen Moment ist ChatGPT gemacht.
Was ChatGPT im Recruiting leisten kann
ChatGPT kann dir in Minuten einen ersten Entwurf einer Stellenanzeige liefern, der Kopfkino auslöst. Es kann Sourcing-Nachrichten formulieren, Interview-Fragen vorschlagen und Texte in inklusivere Sprache umschreiben.
Was es nicht kann: für dich denken. Es braucht gute Eingaben, um gute Ergebnisse zu liefern. Da liegt auch der Unterschied zwischen einem nützlichen Werkzeug und einem frustrierenden Experiment.
Was ein guter Prompt braucht
Ein Prompt ist die Anweisung, die du ChatGPT gibst. Je präziser die Anweisung, desto besser das Ergebnis.
Ein schwacher Prompt klingt so: «Schreib mir eine Stellenanzeige für eine Buchhalterin.»
Ein starker Prompt enthält: die genaue Rolle und Aufgaben, das Unternehmen und seine Kultur, die Zielgruppe, also wen du ansprechen möchtest, die Benefits und was die Stelle besonders macht, und den gewünschten Ton.
Doch woher kommen all diese Informationen? Aus dem Recruiting Strategy Meeting. Das RSM, das wir in einem früheren Artikel besprochen haben, ist nicht nur die Grundlage für die Stellenanzeige. Es ist auch die Grundlage für jeden guten ChatGPT-Prompt.
Ein Beispiel-Prompt
So könnte ein Prompt für eine Stellenanzeige aussehen:
«Du bist eine erfahrene Recruiterin. Schreib eine Stellenanzeige für eine Fachperson Buchhaltung (80-100%) bei einem mittelgrossen Produktionsunternehmen in der Deutschschweiz. Das Unternehmen hat flache Hierarchien, ein eingespieltes Team und bietet flexible Arbeitszeiten sowie die Möglichkeit, zwei Tage pro Woche im Homeoffice zu arbeiten. Die Zielgruppe sind Berufspersonen mit 3 bis 5 Jahren Erfahrung in der Finanzbuchhaltung, die Wert auf Stabilität und ein kollegiales Umfeld legen. Der Ton soll persönlich und einladend sein, nicht formell. Nutze Copywriting-Prinzipien: Schreib aus der Perspektive der Kandidatin und nicht des Unternehmens.»
Das Ergebnis, das du bekommst, ist kein Endprodukt. Aber es ist ein sehr guter erster Entwurf, den du in wenigen Minuten anpassen kannst.
Was du immer selbst machst
ChatGPT kennt dein Unternehmen nicht. Es weiss nicht, wie es sich wirklich anfühlt, bei euch zu arbeiten. Es kennt keine echten Geschichten aus dem Team. Das bringst du ein. Die Maschine liefert die Struktur. Du lieferst die Seele.
Eine letzte Sache: Lies jeden Text, den ChatGPT generiert, sorgfältig durch. Passe an, was sich nicht richtig anfühlt. Lösch, was zu generisch klingt. Füge hinzu, was fehlt.
Der Text muss klingen wie ihr und nicht wie eine KI.
Weiji Stocker ist Trainerin für Recruiting und Talent Attraction und begleitet KMU im DACH-Raum.